
Besuch bei einem Stuttgarter "Elite"-Kindergarten - Anbieter setzen auf Frühpädagogik - Trotz hoher Preise erfolgreich.
Stuttgart - Wer sich später einmal im Bildungswettbewerb behaupten soll, muss früh gefördert werden. Private Kinderkrippen machen öffentlichen Einrichtungen vor, wie es geht. Ein Besuch bei den "Little Giants" in Stuttgart.
von Ulrike Bäuerlein
Stuttgart, ein mehrstöckiger Bau
am Charlottenplatz, direkt im
Herz der City. Hauptstraße und
Kreuzung vorne, hinten ein ruhiger
grüner Innenhof. Alles ganz
normal hier. Kindergarten und
Kinderkrippe eben.- Viel Platz,
Farbe und Bilder an den Wänden,
Kreativecken, Turnraum, Ruhezonen,
Spielsachen. Lachen, Weinen,
Erzieherinnen, die sich um
die Kinder kümmern. Deutsche
und englische Wortfetzen klingen
durch die Räume. Mit manchen
Betreuerinnen plappern die Kinder
auf Englisch, mit manchen
deutsch, untereinander so, wie es
gerade kommt. Also doch nicht
so ganz alltäglich?
Zweisprachige Betreuung
Die Kinder sind die "Little Giants",
die "kleinen Riesen". So
heißt die private Kindertagesstätte,
die Krippe und Kindergarten
unter einem Dach vereint und
neben zweisprachiger Betreuung
auch lange Öffnungszeiten und
gezielte frühpädagogische Förderung
anbietet. In Deutschland
noch die absolute Ausnahme im
Ausland aber oft schon Standard.
Peter und Jelena Wahler,
Gründer und Geschäftsführer der
KiTa-GmbH "Giant Leap", konnten
und wollten nicht darauf warten,
bis die ideologischen Barrieren
bei der Kleinkindbetreuung
hierzulande durchstoßen sind.
Der Ingenieur und die Unternehmensberaterin
suchten 2004
nach ihrer Rückkehr aus den USA
in Stuttgart für ihren Sohn einen
Kinderkrippenplatz, wie sie ihn
aus den USA kannten: Keine Betreuungs-,
sondern eine Bildungseinrichtung,
mit kleinen
Gruppen, berufsgerechten Öffnungszeiten
und intensiver Frühförderung.
Fehlanzeige.
"Deutschland ist 30 Jahre zurück", sagt Wahler. Freunde in
der gleichen Situation bestärkten
das Paar, und so kamen zur Idee
Marktanalyse und Geschäftsplan.
Im September 2006 eröffneten
die Eltern von zwei Kindern mitten
in der Stuttgarter City das erste"Little Giants Early Learning
Center", das zweite in München
hat gerade den Betrieb aufgenommen,
in Nürnberg ist es im
Herbst so weit.
1000 Euro kostet der Platz
Dass das Ganze seinen Preis
hat - rund 1000 Euro im Monat
kostet bei den "Giants" in Stuttgart
ein Krippenplatz von 7 bis
18.30 Uhr·-, tut dem Erfolg keinen
Abbruch. Inzwischen sind zu
den Anfangs 30 Krippenplätzen
für unter Dreijährige zwei Kindergarten-
Gruppen mit je
16 Plätzen dazugekommen. Von
dem Betreuungsschlüssel können Mitarbeiter kommunaler Einrichtungen
nur träumen: In der Krippe
1:3 oder 1:4; im Kindergarten
1:8. Drei der Mitarbeiterinnen
haben Englisch als Muttersprache,
und alle haben sie eine spezielle
frühpädagogische Ausbildung,
wie sie in Deutschland
nicht zum Ausbildungsbild von
Erziehern gehört und noch kaum
angeboten wird.
"Ich würde nicht in einem anderen
Kindergarten arbeiten",
sagt Erzieherin und Sozialpädagogin
Isabel Stolte, 31, Leiterin
des Stuttgarter Centers. "Ich
möchte mit Kindern kreativ arbeiten,
statt nur aufzupassen,
dass nichts passiert." Bei den "Giants"
heißt das vor allem, den
Kindern ständig Angebote zu machen,
Neugier zu wecken und Interessen
gezielt zu fördern. Es
gibt keine offenen Gruppen, die
Freispielzeit ist stark begrenzt, die Kindergarten-Kinder sind
ständig auf Achse. Für sie teilt
sich die Woche in Ausflugs-,
Fahrrad-, Ausstellungs-,
Schwimrn- und Zootag. "Es muss
keiner mitmachen, aber sie machen
alle gerne mitt", sagt die Pädagogin.
Empört über Elite-Vorwurf
"Zweisprachigkeit und Öffnungszeiten
waren für mich entscheidend",
sagt Jennifer Maxa,
32, berufstätige allein erziehende
Mutter, die ihren 14 Monate alten
Sohn Leon seit ein paar Tagen zu
den "Giants" bringt und dafür
fast 80 Kilometer hin und her
fährt, "Ich bin oft im Ausland und
finde es wichtig, dass Leon möglichst
früh Englisch lernt".
Mit der Zweisprachigkeit freilich
ist Leon hier ein Außenseiter.
70 Prozent der Kinder kommen
ohnehin aus zweisprachigen Familien und lernen mit Englisch
schon ihre dritte Sprache, fast alle
Eltern sind Akademiker und berufstätig.
Den Vorwurf, dass hier
. eine kleine Elite schon von früh
an auf Leistung getrimmt werden
soll, weist Gründer Peter Wahler
aber empört zurück. "Wir sind
keine Kinderschule, und wir machen
auch keinen Unterricht. Wir
versuchen nur, den Kindern den
bestmöglichen Start zu geben."
Geht es nach Bundesfarnilienministerin
von der Leyen, soll das
künftig mehr Kihdern möglich
sein: Sie will die staatlichen Zuschüsse
für Krippenplätze - die
bislang nur kommunale oder
kirchliche Träger erhalten - künftig
auch an private Betreiber zahlen
lassen. Einrichtungen wie die
"Giants" würde das deutlich verbilligen
- und den Wettbewerb
um die Gunst der "kleinen Kunden"
kräftig ankurbeln.
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