
Mit Sauna, Chinesischkursen und Chauffeurservice wirbt eine Potsdamer Kita um zahlungskräftige Kunden. Auch in anderen Städten mischen Unternehmer den Betreuungsmarkt auf.
Der Name passt so gut, dass er schon wieder stört. Villa Ritz, das klingt nach einem Kindergarten, in dem hochnäsige kleine Kinder in Watte gepackt werden. Doch Kita-Gründer Raymond Wagner wiegelt ab: "Es geht um die bestmögliche frühkindliche Erziehung." Bodyguard, Sauna und Geigenunterricht gibt es trotzdem, zudem ein exklusives Ambiente. Für rund 900 Euro Monatsbeitrag dürfen sich die jungen Kunden auf einem 3000 Quadratmeter-Grundstück austoben. Hinter dem stuckbesetzten Portal der 200 Jahre alten Villa erstrecken sich großzügige Gruppenräume, Atelier, Gymnastikraum und ein Erlebniszimmer, das zu 36 verschiedenen Themen hergerichtet werden kann, vom alten Rom bis hin zur Wüste.
Die Zielgruppe haben die acht Gesellschafter, unter ihnen eine Investmentbankerin und ein Wirtschaftsprüfer, fest im Blick: Das Konzept der Villa Ritz ist weit entfernt von antiautoritären Kinderläden, wo Eltern selbst bestimmen und putzen. Es hat auch wenig mit staatlicher Grundversorgung von 8 bis 17 Uhr gemein. Wagner und seine Kollegen setzen auf Eltern, die sich sonst ein Kindermädchen leisten, weil ihnen bestehende Einrichtungen nicht den Service bieten, den sie erwarten: flexible Öffnungszeiten und intensive Betreuung.
Ein Erzieher kümmert sich um sieben Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Bei Babys, die ab neun Wochen aufgenommen werden, liegt der Schlüssel bei eins zu drei. Deutsch und Englisch sind Umgangssprachen. Nachmittags kommen auf Wunsch Chinesisch, Französisch und Spanisch dazu. Und wenn die Eltern einmal unerwartet an den Flughäfen von Paris oder London festsitzen, können ihre Zöglinge in der Villa schlafen oder werden vom Chauffeur nach Hause gefahren. Dieses Rundum-sorglos-Paket kommt trotz hoher Gebühren an. Die 20 Plätze sind bereits vor der Eröffnung am 1. Februar vergeben, noch dieses Jahr soll auf 45 Plätze aufgestockt werden. "Ich wünsche mir ein partnerschaftliches Verhältnis mit den Betreuern", sagt eine Mutter, die ihre vierjährige Tochter angemeldet hat. Sie ist gerade aus Irland nach Potsdam gezogen und hat sich dort mehrere Kitas angesehen. "Dabei bin ich vor allem auf gestresstes Personal gestoßen, das keine Zeit für mich hatte", sagt die Irin. Die Leiterin der Villa Ritz habe sie dagegen besucht.
Deutschlandweit sind es erst eine Handvoll Kitas, die mit intensiver Betreuung und Frühförderung um zahlungskräftige Klientel werben. Doch ihre Zahl wächst. In Dresden bietet die Kindervilla Franchise GmbH schon jetzt zwei Häuser ohne Schließzeiten an. Für zehn weitere Standorte hat das Unternehmen bereits Verträge mit Betreibern abgeschlossen. "Als Mitbewerber betrachten wir Tagesmütter, da sie ähnlich flexible Betreuungszeiten anbieten können", sagt Sprecherin Astrid Herrmann. Auch bei den Little Giants in Stuttgart gehören kleine Gruppen, lange Öffnungszeiten und bilinguale Erziehung zum Standardprogramm. Den Monatsbeitrag von rund 1000 Euro leisten sich vor allem gut verdienende Akademiker, wie Unternehmensberaterin Jelena Wahler erklärt. Sie gründete die Firma nach US-Vorbild mit ihrem Mann, um Frühförderung auch nach Deutschland zu bringen.
"Aufgrund der knappen Plätze in staatlichen Kitas ist es eine logische Konsequenz, dass auch in Deutschland ein breiter privater Markt entsteht", sagt Christiane Kreher von der Robert Bosch Stiftung. Da intensive Betreuung teuer ist, werfen private Kitas allerdings keine hohen Gewinne ab, heißt es in der Branche. Jedenfalls noch nicht.
Über die genauen Bilanzen hüllen sich die Betreiber jedoch in Schweigen. Die Little Giants aus Stuttgart verraten immerhin, dass es sich lohne. Daher wolle man auch expandieren. "Im zweiten Quartal dieses Jahres wollen wir die Marke zusammen mit einem Dienstleistungspaket anbieten", sagt Jelena Wahler. Ein Franchisesystem, ähnlich wie es bereits die Kindervilla aus Dresden betreibt, soll dann Deutschland überziehen.
Auf Dauer könnte sich die Perspektive für private Betreiber nur verbessern, sagt Katharina Spieß, Bildungsexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Schon jetzt gibt es in etlichen Bundesländern Tendenzen zu mehr Wettbewerb. In Berlin und Hamburg können Eltern Kita-Gutscheine bei einer Einrichtung ihrer Wahl einlösen.
Die Villa Ritz zählt zu den wenigen gewerblichen Einrichtungen, die staatlich gefördert werden. Die Stadt trägt 84 Prozent der Kosten für das "pädagogisch notwendige Personal" bei Kindern, die einen Rechtsanspruch auf Betreuung haben. Dabei rechnet sie einen Betreuer für 13 Kinder. Trotzdem kalkulieren die Betreiber zunächst mit einer "schwarzen Null". Zuschüsse und Beiträge seien zu gering, um die laufenden Kosten und Abschreibungen zu tragen. Insgesamt habe die GmbH 500.000Euro investiert. Gewinn sollen vor allem die Zusatzangebote bringen. Für Chauffeur, Übernachtungen, Reit- und Musikstunden müssen die Eltern Gebühren zahlen.
Die Villa Ritz sei ein Testballon, mit dem man das Betreuungskonzept ausprobieren wolle, sagt Wagner. Bei Erfolg wolle man expandieren. Nach Frankfurt am Main, wo noch mehr wohlhabende Eltern vermutet werden. Der Stuttgarter Rivale, Little Giants, eröffnet bereits 2007 einen Ableger in Deutschlands Finanzzentrum. Der Wettbewerb der Luxuskitas hat begonnen.
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